86. Young Leaders Akademie in Paderborn

Nachhaltigkeit braucht Demokratie und Mobilität braucht politische Verantwor­tung – meine Teilnahme an der 86. Young Leaders Akademie in Paderborn

Ein Bericht von Hanna Witt, Q-Phase am Gymnasium Anna-Sophianeum

Ich hatte die besondere Gelegenheit als Schülerin des Gymnasiums Anna-Sophianeum in Schönin­gen an der 86. Young Leaders Akademie in Paderborn teilzunehmen. Nach einem Auswahlverfah­ren unter zahlreichen Bewerberinnen und Bewerbern wurde ich für dieses Programm ausgewählt, das junge Menschen dazu ermutigt, sich aktiv mit gesamtgesellschaftlichen Fragestellungen aus­einanderzusetzen und Verantwortung zu übernehmen. Young Leaders ist eine Organisation, die Ju­gendliche in ihrem Denken und Handeln stärkt und Räume für Austausch, Diskussion und Mitge­staltung schafft. In verschiedenen Workshops konnte ich eigenen Interessen nachgehen und mit Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft ins Gespräch kommen. Gemeinsam mit jun­gen Menschen aus ganz Deutschland setzte ich mich intensiv mit politischen, gesellschaftlichen und nachhaltigkeitsbezogenen Themen auseinander.

Die Teilnahme an der Akademie war für mich eine ungewohnte und zugleich sehr anspruchsvolle Herausforderung. Mit einem spürbaren Kribbeln im Bauch machte ich mich auf den Weg nach Pa­derborn. Trotz der anfänglichen Aufregung wurde diese Erfahrung schnell zu etwas sehr Positivem: Ich fühlte mich ernst genommen, gefördert und ermutigt. Die Akademie war für mich eine berei­chernde Erfahrung, die mich sowohl fachlich als auch persönlich weitergebracht hat.

Zu Beginn der Akademie stand eine zentrale Frage im Raum: Was verbindet die 17 Ziele für nach­haltige Entwicklung der Vereinten Nationen mit Demokratie und moderner Verkehrspolitik?

Im Laufe der Woche wurde mir immer klarer, wie eng diese Bereiche miteinander verknüpft sind. Nachhaltige Mobilität ist kein rein technisches Projekt, sondern ein politisches und gesellschaftli­ches Steuerungssystem, das auf demokratischen Entscheidungen und staatlicher Verantwortung basiert. Nachhaltigkeit wird häufig auf Zahlen reduziert – Emissionswerte, Effizienzquoten oder Reichweiten. Doch diese Kennzahlen entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind Ergebnis po­litischer Prozesse.

In einem Vortrag machte Prof. Dr. Josef Löffl deutlich, dass die Sustainable Deve­lopment Goals keine festen Endzustände beschreiben, sondern politische Richtungen vorgeben. Probleme wie Armut, Ungleichheit oder Umweltzerstörung lassen sich nicht abrupt lösen. Ent­scheidend ist vielmehr der demokratische Wille, langfristige Maßnahmen zu entwickeln, zu finan­zieren und gesellschaftlich zu legitimieren. Genau an diesem Punkt setzt staatliche Verkehrspolitik an. Ein Schwerpunkt vieler Diskussionen war die Frage, wie Mobilität in einer demokratischen Ge­sellschaft gerecht, zugänglich und zukunftsfähig gestaltet werden kann. Mobilität entscheidet über gesellschaftliche Teilhabe über den Zugang zu Bildung, Arbeit und sozialem Leben. Deshalb müssen nachhaltige Verkehrssysteme nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch sozial ausgewogen sein.

Mir wurde deutlich, dass diese Balance keine technische, sondern eine politische Aufgabe ist. Das Bundesministerium für Verkehr spielt dabei eine zentrale Rolle. Durch Gesetzgebung, Förderpro­gramme und Investitionen beeinflusst es maßgeblich die Entwicklung von Verkehrssystemen. Ob der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, Investitionen in die Schieneninfrastruktur, die Förderung alternativer Antriebstechnologien oder die Transformation des Straßenverkehrs, all die­se Maßnahmen beruhen auf demokratisch legitimierten Entscheidungen und dem Einsatz öffentli­cher Mittel. Nachhaltige Mobilität entsteht nicht allein durch individuelles Verhalten, sondern durch politische Prioritätensetzung. In Fachvorträgen zu alternativen Antriebstechnologien, nach­haltiger Mobilitätsplanung und nationalen Energiestrategien wurde deutlich, dass technologische Lösungen nur dann wirksam sind, wenn sie in ein konsistentes politisches System eingebettet sind. Fördermechanismen, rechtliche Rahmenbedingungen und langfristige Investitionssicherheit ent­scheiden darüber, ob Innovationen den Sprung aus Pilotprojekten in den Alltag schaffen. Demokra­tie ermöglicht diese Prozesse, indem sie Interessen ausgleicht, Konflikte sichtbar macht und Ent­scheidungen überprüfbar hält.

Auch der internationale Blick erweiterte meine Perspektive. Der philippinische Ethiker Prof. Nicanor Austriaco zeigte auf, wie unterschiedlich Gesellschaften Fragen von Verantwortung, Menschenwürde und Gemeinwohl beantworten. Nachhaltigkeit ist kein uni­verselles Rezept, das überall gleich umgesetzt werden kann. Sie ist vielmehr ein Aushandlungspro­zess zwischen kulturellen Werten, wirtschaftlichen Möglichkeiten und politischen Systemen. De­mokratie bietet dafür einen wichtigen institutionellen Rahmen, auch wenn sie langsam, wider­sprüchlich und unvollkommen ist.

Ein weiterer zentraler Aspekt der Akademie war die Rolle der Medien. Verkehrspolitik und Nachhaltigkeitsstrategien können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie verständlich kommuniziert werden. Medien prägen Wahrnehmung, Akzeptanz und Kritik. Demo­kratie lebt von informierten Bürgerinnen und Bürgern, nachhaltige Mobilität von transparenter Darstellung politischer Entscheidungen und ihrer Konsequenzen.

Am Ende der 86. Young Leaders Akademie blieb keine einfache Formel, aber eine klare Erkenntnis: Die 17 Ziele für nachhaltige Ent­wicklung stehen nicht neben der Demokratie, sie bauen auf ihr auf. Nachhaltige Mobilität ist kein Selbstläufer und kein technisches Randthema, sondern Ausdruck politischer Verantwortung, staat­licher Steuerung und gesellschaftlicher Mitentscheidung. Die Akademie hat mir eindrücklich ge­zeigt, wie dieser Zusammenhang in der Praxis gestaltet werden kann. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit an der 86. Young Leaders Akademie teilgenommen zu haben. Die gewonnene Erkennt­nisse, Eindrücke und Diskussionen möchte ich nicht nur für meine eigene Weiterentwicklung nut­zen, sondern auch in meiner Schule und meinem Umfeld tragen und dort als Multiplikatorin wei­tergeben.

Weitere Informationen zu den Projekten und Programmen der Young Leaders Gmbh fin­den sich unter www.young-leaders.de