„Schulwald Visionen Niedersachsen – Wo Schulwälder zu Lernorten und Ideen zu Zukunft werden“
Was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler verschiedener Schulen zusammenkommen, um gemeinsam über Wald, Klima, Biodiversität und nachhaltiges Handeln zu lernen? Am Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen wurde genau das erlebbar: Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 6 bis 11 aus unterschiedlichen Regionen Niedersachsens kamen zu einem gemeinsamen ersten Netzwerktreffen zusammen, um gemeinsam zu lernen, sich auszutauschen und neue Perspektiven auf Natur und Nachhaltigkeit zu gewinnen.
Das erste Netzwerktreffen „Schulwald Visionen Niedersachsen – Von Schüler: Innen für Schüler: Innen – Wo Schulwälder zu Lernorten und Ideen zu Zukunft werden“
Dabei wurde ein zentrales Ziel der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) unmittelbar umgesetzt: Schülerinnen und Schüler sollten nicht nur Wissen über ökologische Zusammenhänge erwerben, sondern befähigt werden, Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Perspektiven einzunehmen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Verantwortung für die Gestaltung ihrer Zukunft zu übernehmen. Der Tag verband fachliches Lernen mit praktischer Erfahrung, eigenständigem Arbeiten und vor allem mit dem Austausch zwischen Jugendlichen aus den verschiedensten Schulen und Regionen.

Ein Netzwerk, das über den eigenen Schulwald hinausblickt
Insgesamt nahmen 79 Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 bis 11, Lehrkräfte und Mitglieder der Stiftung Zukunft Wald an dem 1. Netzwerktreffen „Schulwald Visionen Niedersachsen – Von Schüler: Innen für Schüler: Innen – Wo Schulwälder zu Lernorten und Ideen zu Zukunft werden“ teil.
Damit war das Treffen weit mehr als ein einzelner Projekttag. Es entstand ein tatsächliches Netzwerk, in dem Jugendliche unterschiedlicher Altersstufen und Schulstandorte miteinander ins Gespräch kamen, Erfahrungen teilten und gemeinsam arbeiteten.
Der Schulwald des Gymnasiums Anna-Sophianeum in unmittelbarer Nähe des Paläons bildete den ursprünglichen Mittelpunkt des Tages. Der Wald wurde dabei nicht nur als Lernort verstanden, sondern als komplexes Ökosystem, an dem sich ökologische Zusammenhänge unmittelbar beobachten und erfahren lassen.
„Ein Schulwald ist weit mehr als ein Stück Wald hinter oder neben einer Schule. Er ist ein Lernort, an dem Schülerinnen und Schüler Natur nicht nur theoretisch kennenlernen, sondern sie unmittelbar erfahren, erforschen und gestalten können“, betont Ulrike Anspach-Wolf, unter deren Leitung am Gymnasium Anna-Sophianeum die Idee des Netzwerktreffens über mehrere Jahre entwickelt wurde.
Gerade darin liege die besondere Stärke der Schulwaldarbeit: „Wenn Schülerinnen und Schüler Verantwortung für einen solchen Lernort übernehmen, dann lernen sie nicht nur etwas über Biodiversität oder Klimawandel. Sie erleben, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann.“
Von Jugendlichen für Jugendliche
Besonders ist die Entstehungsgeschichte des Treffens. Die Idee für ein Netzwerktreffen von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler entstand bereits vor sechs Jahren in der Schulwald- und BNE-AG.
Unter der Leitung von Ulrike Anspach-Wolf wurde die Idee über mehrere Jahre weiterentwickelt. Ziel war es, Jugendlichen unterschiedlicher Schulen einen Raum zu geben, in dem sie selbst aktiv werden, Wissen austauschen und gemeinsam Ideen für eine nachhaltige Zukunft entwickeln können. Die Kolleginnen Svenja Muth und Christiane Droz halfen bei der letztendlichen Umsetzung des Projektes.
„Für mich war von Anfang an wichtig, dass dieses Treffen nicht einfach von Erwachsenen für Schülerinnen und Schüler organisiert wird. Die Jugendlichen sollen selbst zu Akteuren werden, ihre Erfahrungen einbringen und voneinander lernen“, erklärt Anspach-Wolf.
Dass dieses Konzept nun umgesetzt werden konnte, ist auch das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit der Stiftung Zukunft Wald. Die gesamte Belegschaft der Stiftung unter Leitung der Direktorin Elisabeth Hüsing war in die Organisation eingebunden und leistete einen wesentlichen Beitrag dazu, dass das Treffen realisiert werden konnte.
Anspach-Wolf sieht gerade in dieser Vernetzung einen wesentlichen Mehrwert: „Schulwälder entwickeln ihre besondere Wirkung vor allem dann, wenn Erfahrungen nicht an der eigenen Schule enden. Wenn Jugendliche aus verschiedenen Regionen zusammenkommen, entsteht ein Austausch, der den eigenen Blick auf den Wald und auf Fragen der Nachhaltigkeit erweitert.“
Sechs Stationen verbinden Wissen und praktische Erfahrung
Für die Schülerinnen und Schüler waren sechs Stationen vorbereitet. Im Mittelpunkt standen Themen wie Waldökologie, Klimawandel, Biodiversität und nachhaltige Lebensweisen.
Die Jugendlichen konnten dabei zwischen theoretischer Auseinandersetzung und praktischer Erfahrung wechseln. Das Klimapuzzle machte komplexe Zusammenhänge des Klimawandels sichtbar und lud dazu ein, Ursache-Wirkungs-Beziehungen gemeinsam zu untersuchen.
Bei der Beschäftigung mit der Benjeshecke wurde deutlich, wie aus natürlichen Materialien ein wertvoller Lebensraum entstehen kann. Während einer Regenpause nutzte auch der ehemalige Direktor der Stiftung Zukunft Wald Franz Hüsing die Gelegenheit, sein Fachwissen einzubringen und den Schülerinnen und Schülern den Bau und die ökologische Bedeutung einer Benjeshecke zu vermitteln.
Auch das Thema Ernährung wurde praktisch aufgegriffen. Bela, von der Heilbar aus dem Harz, brachte den Jugendlichen die Welt der essbaren Wildkräuter näher. Dabei ging es nicht nur um die Bestimmung einzelner Pflanzen, sondern auch um deren Bedeutung für Biodiversität, Ernährung und die Wahrnehmung des eigenen Lebensraumes.




Freiräume für eigenes Lernen
Auch für die Lehrkräfte wurde für den Tag ein eigenes Programm entwickelt. Die Schülerinnen und Schüler erhielten so bewusst Freiräume, um selbstständig zu arbeiten, eigene Interessen einzubringen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das Outdoor-Cooking wurde von der Arbeitsgemeinschaft Schulwald und BNE übernommen. Mit Hilfe der Stiftung Zukunft Wald wurden Holzpizzaöfen angefeuert, Pizza gebacken und alle Teilnehmer köstlich versorgt.
Damit wurde ein weiterer zentraler BNE-Gedanke aufgegriffen: Bildung für nachhaltige Entwicklung bedeutet auch, Menschen zu befähigen, eigenständig zu denken, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.
Für Anspach-Wolf ist genau dieser Aspekt entscheidend: „Nachhaltigkeit kann man nicht allein aus Büchern lernen. Schülerinnen und Schüler müssen die Möglichkeit bekommen, selbst zu fragen, auszuprobieren, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Genau dafür bieten Schulwälder hervorragende Voraussetzungen.“
Zukunftsvisionen – Imagine
Ein besonders verbindender Moment entstand beim gemeinsamen Singen. Lisa Lohrmann von der IGS Franzsches Feld in Braunschweig unterstützte das gemeinsame Musizieren mit viel Engagement und Freude. Im Laufe des Tages wuchs daraus ein gemeinsamer musikalischer Abschluss, bei dem schließlich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Netzwerktreffens zusammenkamen. Musikalisch begleitet wurde das gemeinsame Singen von Emma Stern vom Gymnasium Anna-Sophianeum in Schöningen mit der Gitarre. Damit wurde aus den vielen unterschiedlichen Gruppen, Schulen und Altersstufen für einen Moment eine gemeinsame Stimme – ein passendes Bild für die Idee hinter dem Netzwerktreffen.
„Genau solche Momente zeigen, warum ein solches Netzwerktreffen wichtig ist“, sagt Anpach-Wolf. „Die Schülerinnen und Schüler kommen aus unterschiedlichen Schulen und Regionen, haben unterschiedliche Erfahrungen und trotzdem entsteht etwas Gemeinsames. Das ist für mich gelebte Bildung für nachhaltige Entwicklung.“
Das Forschungsmuseum Paläon als wertvoller Partner – Wenn der Schulwald ins Museum zieht
Auch die Wetterbedingungen verlangten an diesem Tag ein gewisses Maß an Flexibilität. Die ursprüngliche Planung sah einen weitgehend im Schulwald stattfindenden Tag vor. Aufgrund der kurzfristigen Änderung der Wetterlage wurde das Treffen in das Paläon Forschungs- und Erlebniszentrum verlegt und einzelne Programmpunkte entsprechend angepasst.
Für das Organisationsteam war es ein großes Glück, dass das Paläon seine Räumlichkeiten für diesen Fall zur Verfügung stellte. Dadurch konnte das Programm flexibel angepasst werden, ohne den Charakter des Netzwerktreffens zu verlieren.
Einige Programmpunkte fanden in den Innenräumen statt, andere konnten in Regenpausen oder bei besserer Wetterlage im Schulwald umgesetzt werden. So wurde aus dem ursprünglich geplanten Schulwaldtag ein Zusammenspiel zweier außerschulischer Lernorte.
Gerade diese Möglichkeit erwies sich als wertvoll: Nicht das Wetter bestimmte, ob das Treffen stattfinden konnte, sondern die vorhandenen Möglichkeiten wurden genutzt, um das gemeinsame Lernen weiterzuführen.
Mehr als ein Projekttag
Dass diese Idee bereits vor fünf Jahren von Schülerinnen und Schülern angestoßen wurde und nun tatsächlich umgesetzt werden konnte, gibt dem Treffen eine besondere Bedeutung. Am Ende stand deshalb nicht die Frage, ob jeder Programmpunkt exakt so stattfinden konnte wie ursprünglich geplant. Entscheidend war, dass aus einer Idee ein gemeinsamer Tag geworden war. Ein Tag, an dem Jugendliche aus verschiedenen Teilen Niedersachsens zusammenkamen, voneinander lernten und miteinander Zukunftsthemen diskutierten.
Für Ulrike Anspach-Wolf ist deshalb bereits die Entstehung des Netzwerkes ein wichtiger Erfolg: „Ein solches Treffen lebt davon, dass Menschen ihre Erfahrungen miteinander teilen. Wir wollen nicht, dass jede Schule für sich allein arbeitet. Wir wollen voneinander lernen und gemeinsam weiterdenken.“
Und genau darin sieht sie auch die langfristige Bedeutung der Schulwaldarbeit: „Schulwälder können zu Orten werden, an denen Zukunft nicht nur besprochen, sondern gemeinsam erprobt wird. Wenn wir Schülerinnen und Schüler dort zusammenbringen, schaffen wir ein Netzwerk, das weit über einen einzelnen Projekttag hinauswirken kann.“
Ein Tag, der gezeigt hat, wie Bildung für nachhaltige Entwicklung aussehen kann: Wissen erwerben, Zusammenhänge verstehen, Perspektiven teilen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam Zukunft gestalten.





































































