Schülerforschungsprojekt untersucht Zinnkraut als mögliche Perspektive in der Krebsforschung

Von der Schulidee zum Forschungsansatz

Was als grundlegende Projektidee in einer Schulprojektwoche begann, hat zwei junge Forschende bis in den Landeswettbewerb von Jugend forscht geführt. Lukas Bucan und Tara Mertins untersuchten im Rahmen ihres Projekts „Altes Wissen neu Denken: unscheinbares Unkraut als neue Perspektive in der Onkologie“ die Wirkung von Zinnkraut-Extrakt auf Brustkrebszellen – mit bemerkenswerten Ergebnissen.

Die Idee entstand während einer BNE-Projektwoche am Gymnasium Anna-Sophianeum zum Thema „Falsche Heiler“. Dabei stießen die Schülerinnen und Schüler auf die teilweise umstrittene österreichische Kräuterexpertin Maria Treben und ihr Buch „Heilkräuter aus dem Garten Gottes“, in dem Zinnkraut zahlreiche heilende Eigenschaften zugeschrieben werden. Aus dieser Beschäftigung entwickelte sich eine Forschungsfrage: Könnten Inhaltsstoffe dieser Pflanze tatsächlich biologische Effekte auf Krebszellen haben?

Seit der Projektwoche arbeiten Bucan und Mertins kontinuierlich an ihrem Projekt und führten ihre Experimente im Kerstin-Reimer-Labor der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) durch. Betreut wurden sie von der Laborleiterin Dr. rer. nat. Sarah Strauß, unterstützt vom wissenschaftlichen Team des Labors. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand der Einfluss von Zinnkraut-Extrakt auf eine aggressive Brustkrebszelllinie (MDA-MB-231). Diese wurde mit gesunden Brustepithelzellen verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass der Extrakt die Vermehrung der Krebszellen hemmen und gezielt programmierten Zelltod (Apoptose) in den Tumorzellen auslösen kann. Darüber hinaus deuteten die Versuche darauf hin, dass der Extrakt Makrophagen – wichtige Zellen des Immunsystems – stimulieren könnte.

„Unsere Ergebnisse sind vielversprechend, lassen sich aber noch nicht verallgemeinern“, erklären die beiden Nachwuchsforschenden. Die Experimente wurden bislang nur in wenigen Durchläufen durchgeführt und beschränkten sich auf eine einzige Zelllinie. Weitere Untersuchungen wären notwendig, um die Beobachtungen zu bestätigen.

Während ihrer Arbeit konnten Bucan und Mertins moderne molekularbiologische Methoden kennenlernen und selbst anwenden, darunter PCR-Array sowie Caspase-3/7-Assays zur Untersuchung von Zelltodprozessen. Viele der Inhalte knüpften dabei direkt an Themen aus dem Biologieunterricht an.

„Wir haben uns riesig über den Erfolg gefreut. Besonders spannend war für mich, dass ich viele Dinge aus dem Biologieunterricht tatsächlich im Labor anwenden konnte“, freut sich Tara Mertins.

Ein großer Teil der Forschungsarbeit entstand in den Ferien. Unterstützt wurden die Jugendlichen von den Wissenschaftlerinnen des Labors – bemerkenswert: Alle fest angestellten Mitglieder des Teams sind Frauen. Die Zusammenarbeit ermöglichte den Nachwuchsforschenden einen intensiven Einblick in den Alltag moderner biomedizinischer Forschung. Der Einsatz zahlte sich aus: Beim Regionalwettbewerb von Jugend forscht erreichte das Projekt den 1. Platz in der Sparte Biologie und erhielt zusätzlich einen Sonderpreis im Bereich Medizin. Damit qualifizierten sich die beiden für den Landeswettbewerb in Clausthal-Zellerfeld.

Das Projekt zeigt deutlich, wie mit dem passenden Engagement aus einer Schulidee ein ernstzunehmender Forschungsansatz entstehen kann.


UPDATE: Beim Landeswettbewerb in Clausthal-Zellerfeld konnte das Duo den zweiten Platz erreichen. Herzlichen Glückwunsch!